Historische Kleidung
Französischer Habit complet, 1750er bis -60er

- Purpurner
Taft, gefüttert mit champagnerfarbenem Taft
- Dieser Habit complet besteht aus einer
Culotte, einer Ärmelweste mit den charakteristischen Ärmeln aus Leinen und
einem Justaucorps. Die großen Aufschläge und weiten Schöße
waren charakteristisch für die französische Mode bis in die 1760er hinein.
So war der Schnitt eines schwedischen Originals von 1766, das nach
französischem Stil und aus französischer Seide gefertigt wurde, für diesen
Habit complet Vorbild. Eine fast identische Farbe wie hier findet mir auf
dem seidenen Habit, den man auf dem Porträt des Würburger Kaufmanns und
Viertelsmeisters Jakob Gottfried Huber von der Hand des Hofmalers Nikolaus
Treu (1734-1786) von 1768 erkennen kann*. Hochwertige Seiden waren selbstredend
der Oberschicht aus Adel und vermögendem Bürgertum vorbehalten. Ein solcher
Anzug wäre genauso für die Alltagsmode eines Adeligen bei Hofe wie als
festliche Kleidung eines Bürgerlichen oder Niederadeligen auf einem Ball
oder in der Oper denkbar. Man beachte bei diesem Beispiel die Vielzahl der
langen Knopflöcher wie auch den verfeinerten Schnitt. Denn dieser mag zwar
wie bei jenen Schnitten der 1740er eine lange Weste, große Aufschläge, weite
Schöße usf. aufweisen, aber die Formen wandelten sich. Seit den 1730ern
wurden die Ärmel des Rockes zusehends länger bis kaum mehr als die
Hemdpreischen von den Ärmeln des Hemdes zu erkennen war. Die Formen am Hals
und an den Aufschlägen wurden eckiger. Die Taille bei Weste und Rock sank
auf das hier zu sehende Niveau. Entsprechend tief sitzt auch die
Kniebundhose, die neben den beiden Taschen rechts und links noch eine
Uhrentasche im Bund aufweist - ein nötiges Detail für jeden Herren von
damals.
- * Zu sehen im Mainfränkischen Museum
auf der Festung Marienberg in Würzburg.
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